Deutscher Naturschutzpreis

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Ehrenpreis: Dr. Georg Sperber

Dr. Georg Sperber, Ehrenpreis des Deutschen Naturschutzes 2011; Foto: privat

Der Forstdirektor a.D. Dr. Georg Sperber erhält den Ehrenpreis des Deutschen Naturschutzes 2011. Die Jury des Deutschen Naturschutzpreises würdigt damit sein langjähriges herausragendes persönliches Engagement für den Waldnaturschutz in Deutschland. Der Preis steht 2011, im Internationalen Jahr der Wälder, unter dem Motto „Zukunft Wald – schützen, erleben, nutzen“.

Vorreiter für Nachhaltige Forstwirtschaft

Sperber hat bereits früh eine Vorreiterrolle für eine nachhaltige naturverträgliche Waldwirtschaft eingenommen und sich dabei oftmals gegen vorherrschende Ansichten und gängige Forstpraktiken gestellt. Mit viel Ausdauer und Überzeugung trug er entscheidend dazu bei, ein neues Bewusstsein für den Wald zu schaffen. Seine Aktivitäten in seinem langjährigen Forstamt im Steigerwald erwarben bundesweite Aufmerksamkeit und Anerkennung. „Sein“ Wald ist heute eine forstlich-naturschützerische Vorbildfläche für viele Forstleute, Studenten und Naturinteressierte. „Der Wald ist mehr als die Summe seiner Bäume“ - diesen Spruch hat er geprägt und konsequent in seinen Aktivitäten umgesetzt. 

Mitbegründer des Nationalparks Bayerischer Wald

Sperber wurde 1933 in Nürnberg geboren. Nach seinem Studium der Forstwissenschaften und anschließender Promotion legte er die Große Forstliche Staatsprüfung in der bayerischen Staatsforstverwaltung als Jahrgangsbester ab. Im Anschluss arbeitete er in verschiedenen Positionen im Bayerischen Staatsforstdienst und war von 1969-1972 als stellvertretender Leiter maßgeblich am Aufbau des ersten deutschen Nationalparks im Bayerischen Wald beteiligt. 

Zusammen mit Hans Bibelriether setzte er gegen große Widerstände aus dem Forst- und Landwirtschaftsministerium und starken Bedenken von Seiten der Bevölkerung Konzepte für eine Schaffung von Urwäldern in Deutschland in die Tat um. Heute gilt der Bayerische Wald als das „Grüne Dach Europas“ und selbst die vom Borkenkäfer befallenen Fichtenflächen zeigen die enorme Regenerationskraft des Waldes und entwickeln sich zu dem einstmals visionären Urwald.

Engagement für die Rotbuchen  im Steigerwald

Von 1972 bis zu seiner Pensionierung 1998 leitete Sperber – zuletzt als Forstdirektor – das Forstamt Ebrach. Im Steigerwald bewies der Forstmann, dass sich Naturschutz und ein nachhaltig genutzter Wald verbinden können. Durch die nachhaltige Bewirtschaftung und Pflege konnte der Rückgang der Buche gestoppt und der Aufbau eines gesunden Mischwalds gefördert werden. Mit unterschiedlichen Maßnahmen zur Naturverjüngung förderte er die Artenvielfalt im Wald und schaffte mit großem Einsatz eine Bewusstseinsbildung und Akzeptanz bei der Bevölkerung. 

Seit 1998 befindet er sich im sehr aktiven Ruhestand und engagiert sich weiterhin auf vielfältige Weise für den deutschen, aber auch den internationalen Wald. In seinem alten Wirkungskreis Steigerwald setzt sich Sperber für die Umwidmung von ca. 10.000 Hektar des dortigen Naturparks in einen Nationalpark ein. Auf internationaler Ebene vertrat Sperber Deutschland als „Klimazeuge“ im Rahmen des gleichnamigen Projekts des World Wide Fund for Nature und berichtete in Brüssel vor Länderabgeordneten und Mitgliedern des Parlaments über seine Erfahrungen mit dem Klimawandel. 

Veröffentlichungen

Auch als Buchautor bereichert Sperber das Wissen um den Wald und fördert das Bewusstsein für seinen Schutz. Neben einer Vielzahl von forst-waldbaulichen, jagdlichen und naturschutzfachlichen Publikationen verfasste er in der Diskussion um das Waldsterben zusammen mit zwei Co-Autoren 1984 den Bericht „Die Lage des Waldes“, der zeitweise auf der Bestsellerliste des Spiegels stand. Seine jüngsten Buchveröffentlichungen sind die Bildtextbände „Urwälder Deutschlands“ und „Frankens Naturerbe Buchenwälder Steigerwald“.

Auszeichnungen

Das Wirken von Dr. Georg Sperber wurde bereits mit einer Vielzahl von Ehrungen und Preisen anerkannt, darunter der Lorenz-Wappes-Preis des Deutschen Forstvereins, der Naturschutz-Preis der Karl-und-Emmy-Kaus Stiftung, der Kulturpreis des Steigerwald-Clubs sowie die Karl-Gayer-Medaille des Bund Naturschutz, Bayern.

Interview

In einem Interview des Verbands Weihenstephaner Forst -und Ingenieursleute wurde Sperber anlässlich seiner Pensionierung gefragt, ob sich sein Einsatz gelohnt habe: „Ich bin ein ungeduldiger Mensch, der anspruchsvolle Forderungen sich und seiner Mitwelt zumutet. Doch vergleiche ich die Ausgangslage der 1970er Jahre, die Vorstellungen unserer Gegenspielerin in der Auseinandersetzung um das Nationalpark-Konzept, deren Einschätzung von uns „Naturgemäßen“ als „forstliche Zeugen Jehovas“ (...), die traditionellen Schwierigkeiten der Naturschützer im Umgang mit unseren Wäldern und gar das verkrampfte Festhalten der großen Jägerorganisationen an ihren vermeintlich ewigen Werten, dann, ja dann haben sich die Dinge doch erstaunlich positiv entwickelt für mich, meine Mitstreiter und Weggefährten“.

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HERAUSGEBER
Bundesamt für Naturschutz
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